KOF Konjunkturumfragen vom Januar: Geschwächte Wirtschaft, aber Unternehmen erwarten Besserung

Der KOF Geschäftslageindikator für die Schweizer Privatwirtschaft, der aus den KOF Konjunkturumfragen berechnet wird, kühlt sich zu Jahresbeginn nochmals ab. Vor allem die schwache Auslandsnachfrage belastet die Exportwirtschaft. Ein Silberstreif am Horizont ist aber erkennbar: Die Unternehmen blicken deutlich zuversichtlicher auf die kommenden sechs Monaten als bis anhin.

Verarbeitendes Gewerbe klagt über mangelnde Nachfrage

Der Geschäftslageindikator weist in den einzelnen Wirtschaftsbereichen in unterschiedliche Richtungen. Erneut ungünstig entwickelt sich die Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe. Mehr als die Hälfte der Unternehmen in diesem Bereich klagt derzeit über eine mangelnde Nachfrage. Der weiter erstarkte Schweizer Franken ist ein potenzieller Belastungsfaktor. Allerdings ist dieser Druck bei weitem nicht so stark, wie beispielsweise in den ersten Monaten des Jahres 2015, nach Aufhebung der Frankenuntergrenze gegenüber dem Euro. Zudem sind die Unternehmen bezüglich ihrer Exportperspektiven momentan eher zuversichtlicher als im Herbst.

Neben den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes berichten auch der Grosshandel, das Gastgewerbe sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister von einem Dämpfer für ihre jeweils eher gute Geschäftslage. Kaum verändert präsentiert sich die Geschäftslage im Baugewerbe, im Projektierungsbereich und im Detailhandel. Bei den übrigen Dienstleistungen hellt sich die Geschäftslage leicht auf.

Bezüglich der erwarteten Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten sind die Unternehmen zuversichtlicher geworden. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe und bei den übrigen Dienstleistern sind die Erwartungen positiver als zuvor. Auch der Grosshandel streift seine Skepsis etwas ab. Dagegen sind etwa der Detailhandel oder die Finanz- und Versicherungsdienstleister vorsichtiger geworden.

Unternehmen rechnen mit einem Anstieg der Bruttolöhne von weniger als 2%

Die Unternehmen beabsichtigen zwar weiterhin zusätzliches Personal einzustellen, planen aber deutlich seltener als noch zu Beginn des Jahres 2023 ihren Personalbestand zu erhöhen. Dennoch berichten die Unternehmen nach wie vor von Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Zwar sind auch die Klagen über Personalmangel nicht mehr ganz so verbreitet wie zu Beginn des Jahres 2023. Im Vergleich zum Herbst 2023 hat sich die Problematik im Januar jedoch in keinem der befragten Wirtschaftszweige weiter entspannt.

Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Bruttolöhne von nun an bis in einem Jahr geringfügig weniger stark steigen als bisher. Der kaum spürbare Rückgang in den Erwartungen von 1.9% Lohnsteigerung im Oktober 2023 auf 1.8% im Januar 2024 schliesst sich jedoch an eine rückläufige Tendenz über das gesamte Jahr 2023 hinweg an. Im Januar 2023 erwarteten die Unternehmen eine Lohnerhöhung von 2.3% für die damals anstehende Einjahresperiode.

Preissignale uneinheitlich

Passend zu den leicht nach unten angepassten Lohnerwartungen gehen die Unternehmen von einer geringeren allgemeinen Teuerung in den nächsten zwölf Monaten aus als bisher. Der Rückgang in den Erwartungen fällt hier ausgeprägter aus als bei den Löhnen. Im Oktober gingen die Unternehmen von einer Inflation von 2.4% in den nächsten zwölf Monaten aus. Im Januar rechnen sie für die nun folgenden zwölf Monate mit einer Inflationsrate von 1.9%.

Die Planungen der Unternehmen für die Preisentwicklung ihrer eigenen Leistungen entsprechen jedoch nicht der Entwicklungsrichtung der Inflationserwartungen für die allgemeinen Konsumentenpreise. Die Unternehmen – und insbesondere die sonstigen Dienstleistungen, das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe – sehen in den Kalkulationen für ihre Verkaufspreise wieder häufiger Preiserhöhungen vor als im gesamten zweiten Halbjahr 2023. Insofern ist nicht ausgemacht, dass der Preisauftrieb vonseiten der Schweizer Produzenten kurzfristig nachlässt.  

In die Ergebnisse der KOF Konjunkturumfragen vom Januar 2024 sind die Antworten von etwa 4’500 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe und den wichtigsten Dienstleistungsbereichen eingeflossen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von etwa 62 %.

Kontakt

Dr. Klaus Abberger
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KOF Konjunkturforschungsstelle
Leonhardstrasse 21
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Schweiz

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