Innovationsaktivitäten der Schweizer Wirtschaft: Zunehmende Konzentration der F&E-Ausgaben

08.02.2017 | Innovation, KOF Bulletin

Unternehmen in der Schweiz gehören nach wie vor zu den innovationsstärksten der Welt. Allerdings hat der Anteil von Innovatoren nachgelassen. Bei denjenigen Unternehmen, die Innovationen generierten, stieg aber der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz an. Das zeigen die Ergebnisse der 10. Innovationserhebung zur Schweizer Wirtschaft für die Jahre 2012 bis 2014.

In der jüngsten Beobachtungsperiode (die Jahre 2012 bis 2014) setzte sich insbesondere der negative Trend eines sinkenden Anteils der Unternehmen mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) fort. Insgesamt tätigten 14.3% aller Unternehmen F&E. Im Zeitraum 2010 bis 2012 war der Anteil mit 16.6% noch etwas höher. Der Rückgang wird vor allem von der Hightech-Industrie (Pharma, Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Medizinaltechnik, Fahrzeuge, Uhren) und den traditionellen Dienstleistungsbranchen (Handel, Verkehr/Logistik, Gastgewerbe, Immobilien, persönliche Dienstleistungen) verursacht, und weniger von den modernen Dienstleistungen (Finanzbranche, IT Medien, Telekommunikation, unternehmensnahe Dienstleistungen) und der Lowtech-Industrie (z.B. Nahrungsmittel, Druck, Metallherstellung, Energie).

Im Jahr 2014 verringerte sich ebenfalls der Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz (siehe G 4). Im längerfristigen Zeitablauf betrachtet, hat sich der Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz aber deutlich erhöht. Die F&E-treibenden Unternehmen investierten 2012 bis 2014 im Durchschnitt 2.7% ihrer Umsätze in F&E-Projekte und 4.1% in Innovationsprojekte (inklusive der F&E-Ausgaben). Dieser Anstieg ist besonders markant bei Unternehmen der Lowtech-Industrie, den traditionellen Dienstleistungen sowie bei grossen Unternehmen.

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Quelle: KOF

Kosteneinsparungen durch Prozessinnovationen nehmen zu

Insgesamt kommen Organisations- und Marketinginnovationen häufiger vor als Produkt- und Prozessinnovationen. In der letzten Periode 2012 bis 2014 hat aber die Kostenreduktion durch Prozessinnovationen stark an Bedeutung gewonnen. Insbesondere der Dienstleistungssektor war hier treibend. Insgesamt entwickelten sich Organisations- und Marketinginnovationen gegenüber der Vorperiode zurück.

Weniger neue Produkte auf dem Markt

Der Innovationserfolg, gemessen am Umsatzanteil innovativer Produkte, hat sich insgesamt und in den meisten Teilaggregaten verbessert. Dies ist ausschliesslich auf einen Anstieg der Umsatzanteile mit «Firmenneuheiten» zurückzuführen. Diese Art von Innovationen ist neu für die Firma und nicht neu für den Markt. Es sind somit Neuerungen mit relativ geringem Innovationsgehalt. Der Anteil der «Marktneuheiten» ging dagegen leicht zurück.

Kosten und Amortisationszeiten hemmen

Hemmnisse für Innovationen haben weiter an Bedeutung verloren. Der in der Öffentlichkeit viel diskutierte Mangel an F&E-Personal und allgemein an Fachkräften nahm tendenziell seit der Periode 2006 bis 2008 als Hemmnis ab. Während bei grossen Unternehmen der Mangel an Fachkräften relativ gering ist, ist er für mittelgrosse Unternehmen hingegen ein vergleichsweise grösseres Innovationshemmnis.

Die wesentlichsten Hemmnisse für Innovationsaktivitäten sind weiterhin hohe Innovationskosten und zu lange Amortisationszeiten. Das gilt insbesondere für Industrieunternehmen und grosse Unternehmen. Für die grossen Unternehmen stellen zudem Marktrisiken ein wichtiges Hemmnis dar. Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten beklagen im Vergleich zu grösseren Unternehmen deutlich häufiger fehlende Eigenmittel als Innovationshemmnis.

Der Anteil der Unternehmen, die Innovationsförderung aus öffentlichen Geldern erhalten, ist seit 2009 auf zuletzt 9.1% angestiegen. Obwohl die meisten Unternehmen im Rahmen nationaler Fördermassnahmen unterstützt werden, gewinnen auch internationale Programme weiter an Bedeutung.

Kooperationen werden wichtiger

Ebenfalls an Bedeutung gewonnen haben F&E-Kooperationen über die Zeit und insbesondere seit 2009, vor allem mit anderen Schweizer Unternehmen oder Hochschuleinrichtungen. Im Zeitablauf rückläufig sind dagegen Kooperationen mit Wettbewerbern und Unternehmen anderer Industriezweige.

In der Untersuchungsperiode 2012 bis 2014 wurde auch der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) erhoben. Verglichen mit allen anderen Unternehmen, investierten grosse Industrieunternehmen am meisten in IKT und nutzen die Beschaffung von Vorleistungen über Internetkanäle am häufigsten. Der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen ist jedoch für den Dienstleistungssektor von grösserer Bedeutung. Grosse Unternehmen setzen zudem wesentlich häufiger Social Media sowie Cloud Computing ein, sind jedoch auch häufiger von IKT-Sicherheitsproblemen betroffen als kleinere Unternehmen.

Innovationsstudie:

Im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) untersucht die KOF die Innovationsaktivitäten der Schweizer Wirtschaft. Die aktuelle 10. Innovationsumfrage umfasst die Periode 2012 bis 2014 und basiert auf den Angaben von 1778 Unternehmen.

Die Studie finden Sie hier.

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