Blick auf die Zahlungsgewohnheiten der Schweizer – Zahlungen im Ausland nehmen kontinuierlich zu

02.09.2016 | KOF Bulletin, Schweizer Konjunktur

Spätestens seit der Aufhebung des Mindestkurses wurde viel über den Einkaufstourismus der Schweizer im Ausland spekuliert. Mittels der Erhebung zu Zahlungen und Bargeldbezügen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) lassen sich sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Aussagen über die Zahlungsgewohnheiten der Schweizer im Inland und Ausland treffen.

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Die Hälfte der Transaktionen mit inländischen Kreditkarten im Ausland wird bei Onlinekäufen eingesetzt. Auch die Effekte der Aufwertung des Schweizerfrankens stechen in den Transaktionen im Ausland heraus.

Für die Bezahlungen im Inland verwenden die Schweizer seit Jahren selten die Kreditkarte. Ihr Anteil an der Anzahl an Zahlungs-Transaktionen, die mit einer inländischen Zahlungskarte (herausgegeben von inländischen Finanzinstituten, beinhaltet sowohl private als auch Firmenkarten) getätigt werden, liegt, über die Jahre betrachtet, relativ konstant bei rund 20%. Die Debitkarten haben ein wenig an Bedeutung verloren, dennoch werden nach wie vor die meisten Zahlungen mit circa 78% (2015) im Inland mit einer Debitkarte beglichen. Mit (inländischem) E-Geld, das z.B. auf Zahlkarten im Voraus geladen wird, wurde im Jahr 2015 knapp 1% der Transaktionen im Inland bezahlt.

Für Zahlungen im Ausland hat jedoch die Kreditkarte als Zahlungsmittel deutlich an Bedeutung verloren. Während im Jahr 2005 noch rund 94% der Zahlungen (Anzahl der Transaktionen) mit einer inländischen Kreditkarte bezahlt wurden, betrug der Anteil im Jahr 2015 nur noch knapp 74%. Dafür wird die Debitkarte (mit einem Anteil von 17% im Jahr 2015) immer öfter eingesetzt und auch das E-Geld wurde bei über 9% der Zahlungstransaktionen 2015 verwendet.

Die meisten Bargeldbezüge im Ausland werden nach wie vor mit der Debitkarte (74% im Jahr 2015) gemacht, während die Kreditkarte in knapp 16% der Abhebungen zur Anwendung kam. Recht bedeutend ist auch das E-Geld mit 10%.

Distanzgeschäft bedeutungsvoll

Die Beliebtheit des Online-Shoppings spiegelt sich auch in diesen Daten wider. Seit Dezember 2014 werden die Zahlungen noch danach unterteilt, ob sie im Präsenz- oder im Distanzgeschäft (online) getätigt wurden. Bei den Kreditkarten macht das Distanzgeschäft rund 53% (2015) an der Gesamtanzahl der Zahlungs-Transaktionen mit Kreditkarten im Ausland aus (siehe G 5). Im Inland beträgt der Anteil gut 20%. Da Debitkarten nur beschränkt für Online-Zahlungen verwendet werden können, ist ihr Anteil nur marginal sowohl im Inland als auch im Ausland. Das E-Geld wird wiederum im Ausland hauptsächlich für das Distanzgeschäft verwendet (72%), im Inland dagegen deutlich weniger (23%).

Einfluss des Wechselkurses auf die Anzahl der Transaktionen im Ausland

Schaut man die monatliche Anzahl der Zahlungen im Ausland mit inländischen Karten (saisonbereinigt) an (siehe G 6), fällt neben den stärkeren Zunahmen seit 2009 auch eine moderate Niveauverschiebung nach oben im Juni 2011 auf, jedoch nicht Anfang 2015. Der Zeitraum in Jahr 2011 zeichnete sich durch eine rasante Aufwertung des Schweizerfrankens gegenüber dem Euro aus – vergleichbar mit der Aufhebung des Mindestkurses zu Jahresbeginn 2015. Der Gesamtbetrag der Zahlungen in Millionen Euro (umgerechnet und Euroraum-inflationsbereinigt) zeigt allerdings einen deutlichen Anstieg auch im Januar 2015. Seitdem hat sich das Niveau auf diesem Stand stabilisiert (siehe G 7). Seit der Mindestkurs-Aufhebung kauften die Schweizer also nicht viel öfters im Ausland ein, dafür gaben sie aber grössere Beträge im Ausland aus. Im Mai 2014 scheinen die Auslandszahlungen besonders niedrig gewesen zu sein. Dies dürfte mit niedrigen Bonuszahlungen im Frühling dieses Jahres und mit den Verschiebungen der Feiertage zusammenhängen. So fiel beispielsweise Auffahrt auf Ende Mai und Pfingsten war erst im Juni.

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Die Bargeldabzüge mit inländischen Karten im Ausland (in Millionen Euro, saisonbereinigt und bereinigt um Euroraum-Inflation, siehe G 8) zeigen keine eindeutigen Niveauverschiebungen, jedoch ist hier auch ein zunehmender Trend seit 2009 zu merken. Allerdings ist sowohl im Januar 2015 ein kleinerer Peak als auch ein deutlicherer im Juli 2015 zu erkennen. Somit wurde im Monat der Aufhebung des Mindestkurses besonders viel Bargeld im Ausland abgehoben. Im Juli sind die Transaktionen im Ausland besonders hoch, da es einer der wichtigsten Ferienmonate der Schweizer ist. Im Juli 2015 waren die Ausgaben jedoch nochmals deutlich höher als in den Jahren zuvor. Jedoch scheint sich der steigende Trend in den letzten Jahren insgesamt verlangsamt zu haben. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Schweizer immer öfter im Ausland mit der Karte bezahlen, anstatt Bargeld abzuheben. Damit lässt sich der Anstieg bei den Zahlungen im Ausland wahrscheinlich teilweise durch strukturelle Verschiebungen der Zahlungsgewohnheiten erklären.     

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26.07.2017
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