Modellrechnungen und Prognosen für den Schweizer Weinmarkt: Ziele und Perspektiven

03.06.2016

Aktuell liegen erste Ergebnisse des auf die Weindaten im Schweizer Grosshandel angewendeten Panel vector autoregressive model (Panel VAR) vor. Daher ist es von Interesse, auf einige theoretische Konzepte dieses Ansatzes einzugehen, welcher aus einer Zusammenarbeit von drei KOF-Mitgliedern entstanden ist, um gemeinsam Fragen im Zusammenhang mit Modellrechnungen und Prognosen bezüglich des Schweizer Weinmarkts zu klären.

Einleitung und Datenbeschreibung

Das Ziel der Studie besteht darin, die dem Schweizer Weinmarkt zugrundeliegenden wirtschaftlichen Phänomene modellhaft darzustellen und zu verstehen. Zu diesem Zweck hat die KOF einen Artikel über wirtschaftliche Schocks sowie Prognosen bezüglich der Schweizer Weine im Grosshandel verfasst. Dank einer Paneldatenbank mit Daten, die Nielsen im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Observatorium des Weinmarkts (OSMV) von diesem zur Verfügung gestellt wurden, ist eine Anwendung des Panel VAR-Modells möglich (siehe OSMV-Berichte Nr. 1 und 5; KOF-Bulletin Nr. 87).
Diese Daten betreffen Schweizer AOC-Weine in einem Zeitraum von 4 Jahren (2012-2015), die nach Farben (Rotwein, Weisswein, Roséwein) und AOC-Weinbaugebieten (Wallis, Waadtland, Deutschschweiz, Genf, Tessin und Drei-Seen-Land) in Bezug auf die zwei Hauptvariablen Menge und Preis erfasst wurden. Da das o.g. Panel aus 169 verschiedenen AOC-Weinsorten (z.B. «Walliser Fendant» oder «Tessiner Merlot») mit 13 (4-wöchigen) Zyklen pro Jahr besteht, können pro Weinsorte 52 Zeiträume analysiert werden. Dies sind insgesamt 8788 Beobachtungen.

Ökonomische Schocks

Ökonomische Schocks, welche per definitionem exogen sind, können nicht anhand eines Modells vorhergesagt werden, weshalb ihr Einfluss erst im Nachhinein in das Panel VAR-Modell integrierbar ist.
Mögliche Angebotsschocks könnten z.B. Hagel in einem Schweizer Weinbaugebiet (Wallis), eine Schädlingsepidemie (mit Drosophila Suzukii) oder die schädlichen Auswirkungen eines Fungizids (Moon Privilege) sein. Folgen dieser exogenen Einflüsse wären der automatische Rückgang der auf dem Markt befindlichen Weinmenge und der Anstieg der Weinpreise.
Ein mögliches Beispiel für einen Nachfrageschock stellt die Abschaffung des Euro-Mindestkurses (1,20 CHF/Euro) dar, die am 15. Januar 2015 von der Schweizer Nationalbank (SNB) verkündet wurde. Ein weiteres Beispiel ist die Änderung der Importbestimmungen in der Schweiz (Eidgenössische Zollverwaltung). So dürfen seit 1. Juli 2014 pro Person 5 statt 2 Liter Wein zollfrei importiert werden. Eine mögliche wirtschaftliche Folge dieser Nachfrageschocks könnte eine Verschärfung des Wettbewerbs für die Schweizer Weine sein, die im Vergleich zu aus dem Ausland importierten Weinen relativ gesehen teurer werden.

Das Panel VAR-Modell und seine vorläufigen Resultate
Dieses ökonometrische Modell vereint drei Ansätze, um Modellrechnungen und Prognosen bezüglich der Weinmengen und -preise auf dem Schweizer Weinmarkt zu erstellen (siehe OSMV-Bericht Nr. 1):
- Die technische Analyse früherer Daten (2012-2015)
- Die Einflussfaktoren auf die Modellrechnung und Prognose wie makroökonomische Indikatoren, Klimafaktoren und landwirtschaftliche Daten (Jahrgänge).
- Die exogenen Angebots- und Nachfrageschocks.
Aufgrund vorhergehender Analysen mithilfe des Panel VAR-Modells konnten die Auswirkungen eines Angebots- und Nachfrageschocks auf die Weinmenge und -preise ermittelt werden. Die Resultate sind als Linie dargestellt. Das 95%ige Konfidenzintervall ist mit einer anderen Farbschattierung gekennzeichnet (siehe G 1).


Mittels eines simulierten Impulses auf das System ist es möglich, die Reaktionen der Weinmenge und -preise auf einen Angebots- oder Nachfrageschock zu analysieren. Anhand von Zeichenbeschränkungen können die beiden Schockarten unterschieden werden: entwickeln sich Menge und Preis in dieselbe Richtung (++ oder −−), handelt es sich um einen Nachfrageschock, entwickeln sich diese in entgegengesetzte Richtungen  (+− oder −+), handelt es sich um einen Angebotsschock.
Bei einem positiven Angebotsschock (G 1: Supply) steigt die Weinmenge um ca. 7% im Vergleich zur Referenzlinie an, während der Preis um ca. 3% sinkt. Während sich die Weinmenge (nach 5 Monaten) wieder stabilisiert hat, sind die Auswirkungen auf die Weinpreise noch immer spürbar (-1,5%). Bei einem positiven Nachfrageschock (G 1: Demand) steigt die Weinmenge um 6% im Vergleich zur Referenzlinie an, während der Preis um ca. 3,5% steigt. Während sich die Weinmenge nach 5 Monaten wieder stabilisiert hat, sind die Auswirkungen auf die Preise noch deutlich länger spürbar.

Graphik G 2 zeigt den erklärten Anteil der Vorhersagefehler durch beide Schockarten (Angebots- und Nachfrageschocks) in Bezug auf die beiden Hauptvariablen Weinmenge (links) und -preis (rechts).
Im Allgemeinen scheint die Weinmenge stärker von Angebotsschocks beeinflusst zu werden, während der Weinpreis bei beiden Schockarten stabiler bleibt. Langfristig, d.h. 5 Monate nach dem simulierten Schockimpuls, scheint die Nachfrage für die Interpretation der erklärten Varianz der Weinmenge bzw. des Weinpreises von grösserer Bedeutung zu sein.

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