Privater Konsum: Die Schweiz im europäischen Vergleich

04.03.2016

Nach einem starken Wachstum der privaten Konsumausgaben in den Jahren 2012 und 2013, flachte sich die Entwicklung des privaten Konsums in der Schweiz in den vergangenen zwei Jahren ab. War die Entwicklung in anderen europäischen Ländern gleich?

Privater Konsum Personenwagen
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Das Wachstum der privaten Konsumausgaben in der Schweiz war in den Jahren 2012 und 2013 stark. Auch im europäischen Vergleich entwickelten sie sich ausserordentlich gut (siehe G 3). Jedoch flachte sich das Wachstum in den vergangenen zwei Jahren ab. In den meisten europäischen Ländern war es dagegen eher anders herum: In den vergangenen zwei Jahren stiegen die Ausgaben für den privaten Konsum wieder stärker, besonders im Vereinigten Königreich. Dafür war das Wachstum in den Jahren nach der Finanzkrise im Vereinigten Königreich eher schwach. In Spanien ist das Niveau der Konsumausgaben noch weit von jenem des Jahres 2010 entfernt.

Schweizer Detailhandel: Schwach auch im europäischen Vergleich

Der schweizerische Detailhandel war im vergangenen Jahr vom starken Franken gefordert. Vergleicht man die Entwicklung der realen Detailhandelsumsätze (saison- und kalenderbereinigt) in der EU mit jenen in der Schweiz (siehe G 4), wird ersichtlich, dass das letzte Jahr auch im Vergleich mit der EU schwach war. Jedoch war die Entwicklung in den Jahren 2012–2013 in der Schweiz stärker als in den anderen europäischen Vergleichsländern. Darüber hinaus lässt sich für die Schweiz ein kontinuierlicher Anstieg seit 2005 beobachten, dieser flachte sich erst in den vergangenen Monaten ab.

Autoverkäufe: Starke Entwicklung in der Schweiz

Bei den Autoverkäufen führte die Aufwertung des Frankens zu einem positiven Effekt: Im Jahr 2015 wurden rund 7% mehr Autos neu immatrikuliert als im Vorjahr. Ein Grund dafür war sicherlich das schnelle Handeln der Autohändler nach Aufhebung des Mindestkurses: Sie senkten die Preise und gaben die Währungsvorteile an die Kunden weiter.

In den Jahren 2011 und 2012 liessen sich ebenfalls starke Anstiege beobachten, danach stagnierte die Entwicklung bis Anfang 2015 eher. Auch im europäischen Vergleich steht die Schweiz nicht schlecht da – der Verlauf der Autoverkäufe ähnelt jenem in Deutschland. Besser läuft es nur im Vereinigten Königsreich, wo sich ein positiver Trend seit drei Jahren ununterbrochen fortsetzt. Des Weiteren lässt sich in vielen Ländern ein Anstieg der Neuimmatrikulationen während der Finanzkrise beobachten. Dieser ist auf die damaligen staatlichen Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Autoverkäufe zurückzuführen.

Konsumentenstimmung: Schlechtere Stimmung in der Schweiz

Um zu sehen, ob sich oben genannte Entwicklungen auch in der Stimmung bzw. im Vertrauen der Konsumenten widerspiegeln, lassen sich die Indizes der Konsumentenstimmung heranziehen. Es ist auffällig, dass sich die Stimmung der Schweizer Verbraucher in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert hat (siehe G 5), während sich in den anderen europäischen Ländern das Vertrauen der Konsumenten eher verbessert hat. Jedoch ist die Verschlechterung der schweizerischen Konsumentenstimmung deutlich moderater ausgefallen als im Jahr 2011. Erfreulicherweise deuten die neusten Index-Werte auf eine wieder optimistischere Einstellung der Konsumenten hin.

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