KOF Investitionsumfrage: Weiterhin hohe Unsicherheit

05.02.2016

Die Schweizer Unternehmen planen, ihre Investitionstätigkeit in diesem Jahr nominell um 3.7% zu erhöhen. Ein Grossteil des Zuwachses ist jedoch nicht auf eine breit abgestützte konjunkturelle Erholung zurückzuführen, sondern ist das Ergebnis einmaliger Sonderfaktoren. Dies zeigen die Resultate der KOF Investitionsumfrage vom Herbst 2015.

Die Entwicklung der Investitionen ist stets eng an den Verlauf des Bruttoinlandprodukts (BIP) gebunden. Im vergangenen Jahr prägten die Folgen der Aufhebung des Mindestkurses den wirtschaftlichen Verlauf der Schweiz entscheidend. Nach 1.8% im Jahr 2013 und 1.9% im Jahr 2014 legte das Schweizer Bruttoinlandprodukt im vergangenen Jahr gemäss der KOF-Prognose um lediglich 0.7% zu. In diesem Jahr sollte die Wirtschaftsleistung mit einem Wachstum von 1.1% allmählich wieder etwas anziehen.

Ähnlich dem BIP-Verlauf offenbarten die Anlageinvestitionen gemäss der Investitionsumfrage1 in den letzten drei Jahren eine etwas schwächere Dynamik: 2013 nahmen sie um 2.9% zu, im Jahr 2014 um 1.6% und im vergangenen Jahr um 0.8%. Die Zuwächse sind mehrheitlich deutlich geringer als die durchschnittliche Wachstumsrate der Anlageinvestitionen von 2002 bis 2012, die bei rund 2.1% lag. Die schwache Entwicklung der Gesamtinvestitionen lässt sich teilweise durch eine langsame Abflachung der regen Bautätigkeit der vergangenen Jahre und den nun seit Jahren unterdurchschnittlichen Investitionen in Ausrüstungen erklären. Die aktuell schwache Entwicklung der Investitionstätigkeit beschränkt sich jedoch nicht ausschliesslich auf die Schweiz, dieses Phänomen ist vielmehr in (fast) sämtlichen Industrieländern zu beobachten.

Anziehende Investitionstätigkeit 2016 …

Gemäss der jüngsten Investitionsumfrage dürften die Investitionen im laufenden Jahr insgesamt wieder etwas anziehen. Aus den Ergebnissen der Investitionserhebung berechnet sich eine nominale Wachstumsrate der Anlageinvestitionen von 3.7%. Unterschieden nach den Subkomponenten der Anlageinvestitionen, werden die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen um rund 3.9% zunehmen, während die Bauinvestitionen um 3% steigen dürften.

Die starken Zuwachsraten der Anlageinvestitionen sind aber nur bedingt auf eine positivere Konjunkturentwicklung in diesem Jahr zurückzuführen. Vielmehr ist ein gewisser Teil der Wachstumsrate der Ausrüstungsinvestitionen der Anschaffung neuer Flugzeuge und Rollmaterial (Züge) geschuldet. Zudem findet die Zunahme der Bauinvestitionen ausschliesslich im Dienstleistungssektor statt. Das Verarbeitende Gewerbe wird weniger in Bauten investieren und im Bausektor dürften die Bauinvestitionen stagnieren. Von einer breit abgestützten Zunahme der Investitionstätigkeit kann deshalb kaum die Rede sein.

… aber Realisierung von Investitionsplänen bleibt unsicher

Bei den für das Jahr 2016 erhobenen Investitionszahlen handelt es sich um die Investitionspläne von Unternehmen, deren Realisierung noch nicht sicher ist. Um die Unsicherheit um die geschätzten Veränderungsrate zu bestimmen, wurden die Unternehmen gefragt, für wie wahrscheinlich sie die Realisierung der geplanten Investitionen halten. Insgesamt beurteilen 85% der Unternehmen ihre Investitionspläne für 2016 als sicher oder sehr sicher. Dagegen sind 15% der Unternehmen unsicher oder sehr unsicher, ob ihre Pläne wirklich realisiert werden. Schaut man auf die einzelnen Branchen, zeigt sich, dass sich die Realisierungssicherheit sowohl im Bau- als auch im Dienstleistungssektor stabilisiert hat, sie in der Industrie aber wieder etwas gesunken ist (siehe G 5). Historisch betrachtet, befindet sich die Realisierungssicherheit auf einem tiefen Niveau. Seit der Grossen Rezession hat sich die Unsicherheit, das Pendant zur Realisierungssicherheit, nicht merklich vermindert. Unter Ökonomen gilt diese hohe Unsicherheit als eine mögliche Ursache für die anhaltende Investitionsschwäche. 

Die Basis der aktuellen Investitionsumfrage bildet ein Panel von über 8000 Firmen, welches die Schweizer Wirtschaftsstruktur abbildet. Insgesamt nahmen über 2750 Unternehmen teil, was einer Rücklaufquote von fast 35% entspricht.

[1] Die Veränderungsraten der Umfrageergebnisse bilden die Anlageinvestitionen privater Unternehmen in der Schweiz ab. Der Bereich Landwirtschaft, private Haushalte und halböffentliche Unternehmungen werden nicht bzw. nur teilweise berücksichtigt. Die Veränderungsraten sind somit nicht direkt mit jenen der VGR vergleichbar.

Mehr Informationen zur KOF Investitionsumfrage finden Sie auf unserer Webseite.

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