USA: Wirtschaftslage leicht eingetrübt – stabiler Ausblick

08.01.2016

Gegen die jüngst abgeschwächte Konjunktur in den Schwellenländern sind auch die USA nicht immun. Wichtiger für die US-Wirtschaft ist jedoch die heimische Binnennachfrage. Der private Konsum schwächelte im Herbst zwar etwas, dennoch wird sich der Aufschwung in den USA fortsetzen. Damit wurde es für die US-Notenbank (Fed) Zeit, die Leitzinswende einzuleiten.

Im 3. Quartal 2015 schwächte sich das Wirtschaftswachstum in den USA von 3.9% im 2. Quartal auf 2.1% ab. Eine von der KOF in ihrer Herbstprognose antizipierte Lagerkorrektur sowie ein (nicht antizipierter) nochmaliger Rückgang der zu den Wirtschaftsbauinvestitionen gehörigen Ausgaben für Ölförderanlagen waren wesentliche Belastungsfaktoren. Auch der Aussenhandel lieferte einen negativen Wachstumsbeitrag, während der private Konsum und die Investitionen in Wohnbauten und Ausrüstungsgüter (exklusive Produkte des geistigen Eigentums) kräftig zunahmen.

Im Winterhalbjahr 2015/16 dürfte die US-Wirtschaft etwas schwächer wachsen als bisher erwartet, vor allem weil sich für das 4. Quartal 2015 eine tiefere Zuwachsrate des privaten Konsums abzeichnet. Dieser legte im Oktober preisbereinigt um lediglich 0.1% zu. Auch die Daten für das 3. Quartal wurden nach unten revidiert, so dass der statistische Überhang tiefer ausfällt. Somit dürfte die annualisierte Zuwachsrate des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) im 4. Quartal 2015 mit 2.1% diejenige des Vorquartals nicht übersteigen. Dass das Wachstumstempo somit derzeit nur moderat ist, zeigt auch der ISM Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, der sich im November bereits zum fünften Mal in Folge abschwächte und erstmals seit drei Jahren unter die Expansionsmarke von 50 Punkten fiel.

Gute Beschäftigungsentwicklung auf US-Arbeitsmarkt

In scharfem Kontrast zur Abschwächung des ISM Einkaufsmanagerindex stand der Beschäftigungszuwachs im Oktober. Mit 298 000 neuen Stellen wurde der höchste monatliche Beschäftigungsaufbau des Jahres 2015 verzeichnet. Die Arbeitslosenquote fiel von 5.1% im September auf 5%. Im November wurden nochmals 211 000 Arbeitsplätze geschaffen und die Arbeitslosenquote verharrte bei 5%. Die gute Beschäftigungslage, die für reale Einkommenszuwächse sorgt, spricht dafür, dass sich die Konsumnachfrage im Jahr 2016 wieder beschleunigen dürfte. Auch die Investitionstätigkeit profitierte von weiterhin ausgezeichneten Finanzierungsbedingungen. Infolgedessen wird sich die Produktionslücke allmählich schliessen. Nach der im Dezember 2015 erfolgten Zinswende durch die Zentralbank Fed dürften sich die Zuwächse bei den Investitionen allerdings sukzessive verringern und der private Konsum erhält keine Impulse durch sinkende Ölpreise mehr. Infolgedessen dürfte die US-Wirtschaft im Jahr 2017 auf den Potenzialpfad einschwenken. Wegen des starken Dollars und der schwachen Weltkonjunktur wird der Aussenhandel, wie bereits im Jahr 2014, im Prognosezeitraum negative Beiträge an das Wirtschaftswachstum liefern. Der gesamte Produktionszuwachs, gemessen am realen BIP, dürfte in den Jahren 2015 und 2016 jeweils 2.5% betragen, gefolgt von 2.4% im Jahr 2017 (siehe G 4).

Leicht positive Teuerung

Die Verbraucherpreise stiegen im November um 0.5% gegenüber den beiden Vormonaten an, nachdem sie im September noch stagnierten und im Frühjahr teilweise rückläufig waren. Für das Gesamtjahr 2015 dürfte eine Inflationsrate von 0.1% resultieren. In diesem Jahr sollte sich der Preisdruck wieder erhöhen, weil die gute Beschäftigungslage bereits zu zunehmendem Lohndruck führt – im Oktober 2015 erreichte der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne gegenüber dem Vorjahr mit 2.5% ein Sechs-Jahres-Hoch – und der Einfluss des Ölpreisrückgangs auf das Preisniveau ausläuft. Erwartet werden Inflationsraten von 1.7% für das Jahr 2016 und 2% für das Jahr 2017.

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