Prognose: Moderates Wachstum, steigende Arbeitslosigkeit

08.01.2016

Für die Schweizer Wirtschaft stand das Jahr 2015 im Zeichen der Aufhebung des Mindestkurses, welche zu einem tiefen BIP-Zuwachs (0.7%) führte. 2016 steigt die Produktion voraussichtlich mit 1.1% wieder etwas stärker an. Insbesondere die Exporte stützen das moderate Wachstum. Die Aussichten für den Schweizer Arbeitsmarkt haben sich allerdings eingetrübt: Die Beschäftigung nimmt kaum zu und die Arbeitslosenquote steigt im Laufe von 2016 auf durchschnittlich 3.6% an.

Die globale Konjunktur schwächte sich zum Jahresende 2015 leicht ab, was in erster Linie den Schwellenländern geschuldet war. Die brasilianische wie auch die russische Volkswirtschaft leiden unter einer wirtschaftlichen Abkühlung unter anderem aufgrund des tiefen Ölpreises und, im Falle Russlands, aufgrund internationaler Sanktionen. Das Wirtschaftswachstum in China schwächt sich bereits seit einigen Jahren kontinuierlich ab. Der Börsencrash dürfte einen zusätzlichen Belastungsfaktor dargestellt haben. Die US-Wirtschaft ist nicht von der Weltkonjunktur abgekoppelt, allerdings ist sie stärker von der eigenen Binnennachfrage abhängig. Zuletzt verlangsamte sich insbesondere der Zuwachs beim privaten Konsum – der mit Abstand wichtigsten Nachfragekomponente – gegenüber dem Sommerhalbjahr deutlich. Dennoch setzt sich der Aufschwung in den USA mit Wachstumsraten fort, die zunächst noch etwas oberhalb des Potenzialwachstums von circa 2.2% liegen, aber spätestens 2017 auf den Potenzialpfad einschwenken dürften. Damit wurde es für die US-Notenbank (Fed) Zeit, die Leitzinswende einzuleiten, was sie im Dezember getan hat (siehe auch Text «USA: Wirtschaftslage leicht eingetrübt – stabiler Ausblick»). Positive Signale für die Schweizer Wirtschaft kommen auch aus dem Euroraum, dessen Wirtschaft allmählich wieder wächst.

Schweizer Konjunkturentwicklung

Die Auswirkungen der Aufhebung des Mindestkurses zu Jahresbeginn 2015 waren und sind für die Schweizer Wirtschaft beträchtlich; sie fielen insgesamt allerdings weniger stark aus als anfänglich befürchtet. Dennoch stagnierten die nominellen Warenexporte im 3. Quartal 2015, nach deutlichen Rückgängen in der ersten Jahreshälfte. Die Exporteure senkten dabei wiederholt ihre Preise. Für das neu begonnene Jahr rechnet die KOF mit einem robusten, aber verhaltenen Zuwachs der Exporte (2.9%), der positiv zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1.1% beiträgt. Der durch die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze ausgelöste Dämpfer wird erst ab Mitte 2016 mehr oder weniger verkraftet sein und die Wachstumsrate für 2017 dürfte bei 2% liegen (siehe G 1). Auch wenn einzelne Förderländer aufgrund des tiefen Ölpreises Rückschläge verzeichnen, wird dieser insgesamt die Konjunktur weltweit ankurbeln, wovon die schweizerische Wirtschaft indirekt profitieren sollte. Die leicht anziehende Exportwirtschaft und ein weiterhin starker Franken lassen die Importe in diesem Jahr etwas ansteigen.

Die anfänglich starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro war ein Schock für Unternehmen, die Güter in den Euroraum verkaufen oder mit Produzenten aus dem Euroraum im Inland und Ausland konkurrieren. Auch wenn der Franken nicht mehr ganz so stark ist wie unmittelbar nach der Aufhebung des Mindestkurses, sind die damit verbundenen Anpassungsprobleme geblieben. Verlagerungen von Produktionsstätten und ein Abbau von Arbeitsplätzen sind weiterhin zu erwarten, das heisst, dass sich die Unternehmen mit Investitionen in der Schweiz zurückhalten. Die Ausrüstungsinvestitionen werden sich 2016 somit konjunkturell schwach entwickeln (2.3%). Aufgrund von Sondereffekten – Lieferungen von Schienen- und Luftfahrzeugen – bleiben die Wachstumsraten der Ausrüstungsinvestitionen aber positiv. Im zu Ende gegangenen Jahr ist die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2016 wird sie auf 3.6% gemäss Definition des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) und auf 4.7% gemäss Definition der International Labour Organization (ILO) steigen (siehe G 2).

In der Bauwirtschaft dürfte die jahrelange Expansion mit einem Rückgang von 0.7% im Jahr 2015 zum Stillstand gekommen sein. Das bereits hohe Niveau, die neuen Zweitwohnungsbeschränkungen sowie die zu erwartende Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hinterlassen ihre Spuren. Die KOF erwartet daher eine leicht rückläufige Entwicklung der Wohnbauinvestitionen, die nur teilweise durch eine höhere Aktivität in anderen Segmenten kompensiert wird. 2016 wird mit 0.9% ein leichter Zuwachs des Baus insgesamt zu verzeichnen sein (siehe auch Text «Konsolidierung der Bauwirtschaft»).

Aufgrund einer wachsenden Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahl sowie steigender Arbeitseinkommen legt der private Konsum weiter zu (2016: 1.6%). Zwar haben die Detailhändler die Aufwertung des Frankens ebenfalls zu spüren bekommen, sie konnten dank reduzierter Beschaffungskosten die Margen jedoch mehrheitlich halten. Im Gegensatz zur Industrie und zum Beherbergungsgewerbe sind die Preisnachlässe hier gering ausgefallen.

In den übrigen binnenwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftszweigen rechnet die KOF mit einem stetigen Anstieg, auch wenn die zu erwartende Stagnation der Steuererträge bei der staatlichen Aktivität Spuren hinterlassen wird. Die demografische Entwicklung, aber auch die Zunahme der Flüchtlinge werden dem entgegenwirken und vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen für eine weitere Expansion sorgen.

Die Konsumentenpreise sind schon seit einigen Jahren rückläufig. Die durch die Aufwertung und die Erdölpreisentwicklung verursachte Vergünstigung der eingeführten Güter trägt dazu bei, aber auch die Binnenteuerung war negativ. Der Rückgang des Preisniveaus der inländischen Wertschöpfung ist mit rund 1% pro Jahr erheblich und wurde vorwiegend von der Exportwirtschaft verursacht, deren Margen stark geschrumpft oder negativ geworden sind. Eine Rückkehr zu anziehenden Preisen ist in die Ferne gerückt (2016: -0.5%), erst 2017 kann ein schwacher Anstieg von 0.2% erwartet werden (siehe G 3).

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KOF Konjunkturforschungsstelle

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